HEINER MÜLLER TRAUMTEXTE

HEINER MÜLLER TRAUMTEXTE

Heiner Müller (1929 – 1995), einer der bedeutenden deutschen Theaterautoren des 20. Jahrhunderts, wäre 2019 neunzig Jahre alt geworden.

Am 17. November 2019 wurde das Künstler*innenhaus in der ehemaligen Königschule deshalb zum Schauplatz eines außergewöhnlichen Geburtstagsfests. Unter dem Titel HEINER MÜLLER TRAUMTEXTE waren neben dem Ensemble von Theater Gegendruck renommierte Gäste aus verschiedenen Kunstsparten zu erleben: u.a. waren der bildende Künstler Helmut Heinze (Installation), das Musiker-Duo Claudius Reimann (Sografon), Katharina Bohlen (Klarinetten), der Vorleser Michael van Ahlen und die Figurenspielerin Desiree Baier mit von der Partie.

Nach einem Antiken-Prolog im Treppenhaus des Atelierhauses erwartete das Publikum im Theaterraum eine kurzweilige Collage mit Texten von Heiner Müller. Im Mittelpunkt: Die Welt des Traums, in der die Koordinaten von Raum und Zeit außer Kraft gesetzt sind. Durch sie ließ sich der Autor immer wieder zu Lyrik, Prosa und Theaterstücken inspirieren.

Die traumatische Erinnerung an die Kindheit und Jugend im Krieg wurde an diesem Nachmittag abgelöst durch Alpträume aus dem Alltag, die jeder kennt:

Der „Mann im Fahrstuhl“ ist unterwegs zum „Termin beim Chef“, weiß aber nicht mehr, wo er aussteigen muss. Dazwischen gab es Ausflüge in die Geschichte. Die Anekdote von Friedrich II. und dem Müller von Sanssouci wird bei Müller zur Groteske über den unsterblichen deutschen Untertanengeist. Die satirische Szene KENTAUREN auf den Spuren von Franz Kafka, in der der Erzähler am Schluss mit seinem Schreibtisch verwächst, führt aus der Zeit der DDR-Bürokratie direkt in den Bürokratie-Dschungel unserer Tage.

Höhepunkt und Ausklang der gefeierten Veranstaltung war ein CONCERT FOR HEINER: der Auftritt des Berliner Elektro-Akustik-Duos Mo et Moi u.a. mit einer Performance zum Müller-Text Herakles 2 oder Die Hydra.

Die Performance Der Mann im Fahrstuhl wurde bereits im Rahmen der Ruhrfestspiele am 27. Mai 2019 im Sparkassen-Clubraum im Palais Vest im Rahmen eines Heiner Müller-Abends erstaufgeführt, bei dem auch der Kabarettist René Steinberg und der Kulturjournalist Stefan Keim auftraten.

„Yusuf Demircan ist die Hauptperson in Müllers ‚Fahrstuhl‘-Sequenz, in der Johannes Thorbecke mit gewohnter Souveränität Regie führt. Demircan verkörpert diese Figur mit einer gewissen Leichtigkeit und Selbstironie: Da fühlt sich ein niederer Angestellter klein in einem mächtigen Gebäude, fühlt sich den fremden Menschen im Fahrstuhl unterlegen.[…]Maximiliane Freitag und Louisa Werner bilden eine Art ‚Background-Chor‘. Messerscharf auf den Punkt dosiert ist ihr Tonfall.[…]Claudius Reimann und Katharina Bohlen an Saxofonen, Klarinette und Perkussionsinstrumenten zaubern dazu eine elektrisierende Klangwelt.“

Stefan Pieper
Recklinghäuser Zeitung 29.05.2019

Premiere: 17. November 2019, Atelierhaus Recklinghausen

mit: Holger Bäcker, Yusuf Demircan/Johannes Thorbecke, Magdalena Döring, Maximiliane Freitag, Michael Georgi, Melanie Hippe, Maria Höning, Torben Müller, Elke Rösing-Nowak, Dimitrij Schewalje, Louisa Werner

sowie als Gäste: Michael van Ahlen und Desiree Baier

Konzept/Regie: Johannes Thorbecke
Ausstattung: Regine Thorbecke
Musik:
Katharina Bohlen & Claudius Reimann; Mo et Moi
Grafik: Erich Füllgrabe
Installation: Helmut Heinze
Projektion: Matthias Schilling
Licht: Klaus Kotsch

Bühnenrechte: Suhrkamp Verlag, Henschel SCHAUSPIEL

Eine Produktion von Theater Gegendruck.