KASPAR/SELBSTBEZICHTIGUNG zwei Stücke von Peter Handke


Wie die historische Figur verfügt Handkes KASPAR zunächst nur über einen einzigen Satz: „Ich möchte ein solcher werden, wie einmal ein andrer gewesen ist.“ Peter Handke macht daraus in seinem Stück KASPAR „ein Verhaltensmodell: Eine Person, die durch Sprache (…) eingebaut wird in den Verhaltensablauf einer Gesellschaft. Damit sie irgendwie weiterkommen kann im Leben, wird sie repariert und damit funktionsfähig gemacht.“ (Peter Handke 1969 in einem Interview)


„Einsager“ treten auf. Sie treiben Kaspar schmerzhaft „seinen“ Satz aus. Kaspar lernt zu sprechen und sich so in der Welt zurechtzufinden. Aber der Anpassungsprozess ist nur scheinbar erfolgreich…

In der SELBSTBEZICHTIGUNG, 1966 im Theater Oberhausen uraufgeführt, blickt ein Chor von Akteuren verschiedener Altersgruppen zurück: „Ich bin auf die Welt gekommen. Ich bin geworden.“ Auch in diesem Stück geht es um Entwicklung als Prozess der Anpassung an Regeln, Gesetze und Verbote einer Gesellschaft.

Das Publikum sieht sich in dem „Sprechstück“ wie in einem Spiegel. Auch durch den rhythmisch-musikalischen Drive seines Textes – inspiriert von den Beat-Bands der Roaring Sixties – wurde Peter Handke zu einem Neuerer des Theaters, der mit seinen Stücken eine „Entdistanzierung zwischen Sprechern und Zuschauern“ (Handke) bewirkte.



Mit KASPAR und SELBSTBEZICHTIGUNG ermöglicht Theater Gegendruck die spannende (Wieder-)Begegnung mit zwei Stücken des Autors der PUBLIKUMSBESCHIMPFUNG.


Premiere: 31. Oktober 2015, Ruhrfestspielhaus Recklinghausen (Hinterbühne)

KASPAR
Mit: Yusuf Demircan, Marie Jendrusch, Julia Molero Azara, Dimitrij Schewalje

SELBSTBEZICHTIGUNG
Mit: Alice Alferink, Voker Hardt, Maria Höning, Leoni Hommel, Aaron Kirchhof, Ayla Krolle, Ruthild Marreck, Emma Schröerlücke

Regie: Johannes Thorbecke
Szenografie: Erich Füllgrabe
Kostüme: Regine Thorbecke
Musik: Martin Blume
Video/Lichttechnik: Sabela Losada Barros/Jan Clauß

Eine Produktion von Theater Gegendruck in Zusammenarbeit mit REspect4you