ERMITTLUNGE/EN

ERMITTLUNG/EN


75 Jahre nach Kriegsende erschüttert eine Welle von rechtsextremen Gewalttaten das demokratische Grundgefüge unserer Gesellschaft und bedroht das friedliche Zusammenleben der Menschen in unserem Land.

Der Mord an dem Politiker Walter Lübcke, die rechtsterroristischen Anschläge von Halle, Hanau und anderswo sind alarmierende Warnzeichen. Antisemitische und rassistische Hetze dringen bis in die Mitte der Gesellschaft vor. Sogar im Bundestag erheben rechtsextreme Parteien ihre Stimme. Deren Sprecher*innen beschimpfen das Holocaust-Denkmal in Berlin als „Mahnmal der Schande“ und relativieren die Zeit des Faschismus in Deutschland als „Vogelschiss“ der Geschichte.

Das Projekt ERMITTLUNG/EN versteht sich als Statement gegen die bedrohliche Rechtsentwicklung heute: 55 Jahre nach Ende des Auschwitz-Prozesses, in dem erstmals Nazi-Verbrechen vor einem westdeutschen Gericht angeklagt wurden.

Im Mittelpunkt des Projekts ERMITTLUNG/EN steht die Neuinszenierung des Stücks

DIE ERMITTLUNG von Peter Weiss.

Das Stück wurde von dem deutsch-schwedischen Autor 1965 vor dem Hintergrund des Frankfurter Gerichtsverfahrens geschrieben und erschütterte wie der Prozess selbst nachhaltig unsere Gesellschaft. 

Auch in den Begleitveranstaltungen des Projekts soll ermittelt werden, wie mit Kunst und bürgerschaftlichem Engagement der Bedrohung von Rechts demokratische, humanistische Alternativen entgegengesetzt werden können. 

Herzlich willkommen!


Sie können Sich das Programm hier als PDF herunterladen.


Die Ermittlung von Peter Weiss
in Recklinghausen, Herne und Bochum 

Alles in allem hat Die Ermittlung von Peter Weiss jedenfalls schon 1965 eine zeithistorische und mentalitätsgeschichtliche Zäsur von größter Bedeutung gesetzt. Der Vorhang des Schweigens, der noch so dicht über den 1950er Jahren gelegen hatte, war endgültig zerrissen.“ (Jochen Vogt)

Bei der Inszenierung des 1965 uraufgeführten Dokumentarstücks Die Ermittlung von Peter Weiss durch Theater Gegendruck stehen Bürgerinnen und Bürger aus Recklinghausen und Umgebung gemeinsam mit Ensemble-Mitgliedern des freien Theaters Gegendruck in der Regie von Johannes Thorbecke auf der Bühne.

Ausgangspunkt der Ermittlung ist der Frankfurter Auschwitz-Prozess, in dem von 1963 bis 1965 die Verbrechen im Vernichtungs-Lager Auschwitz erstmals vor einem westdeutschen Gericht verhandelt wurden.

Die Ermittlung gibt Zeugnis vom faschistischen Völkermord, der in Auschwitz geschehen ist. In seinem „Oratorium in 11 Gesängen“ schildert der Autor den Alltag des Lagers und die Schauplätze des Verbrechens und begleitet die Häftlinge von ihrer Ankunft an der Rampe bis zu den Orten ihrer Vernichtung. 

Den Zeugnissen der Überlebenden stehen die Aussagen der Täter gegenüber, die jede Mitschuld an den Verbrechen leugnen. 

Der Autor erinnert an die Planer und Profiteure des faschistischen Massenmords und appelliert mit seinem Stück an die Verantwortung der Gesellschaft, eine Wiederholung der Geschehnisse zu verhindern.

Die Aufführungsdaten finden Sie bei unseren Terminen

Peter Weiss (1916 – 1982) musste 1933 mit seiner Familie aus Deutschland fliehen und fand in Schweden eine neue Heimat.

Sein Werk – darunter der Jahrhundertroman Die Ästhetik des Widerstands – wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Seine Theaterstücke werden weltweit gespielt.

Das freie Theater Gegendruck mit Sitz in Recklinghausen steht für politisches Theater mit ästhetischem Anspruch. 


ERMITTLUNGEN
Dokumentartheater heute

Ein Abend mit Nuran David Calis

Foto: Costa Belibasakis

Nuran David Calis arbeitet als Regisseur, Theater- und Drehbuchautor. Er ist ein profilierter Vertreter zeitgenössischen Dokumentar-Theaters, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde.

Sein Stück DIE LÜCKE. Ein Stück Keupstraße für das Schauspiel Köln erschien vor Kurzem auch als Hörstück (DIE LÜCKE 2.0).

Eine Veranstaltung im Rahmen der Literaturtage Recklinghausen.

Weitere Infos finden Sie bei unseren Terminen


„Abgemeldet nach unbekannt“
Die Deportation der Juden aus dem Vest nach Riga

Vortrag von Georg Möllers und Jürgen Pohl

Foto: Jürgen Pohl

Nach unbekannt“ lautete der bürokratische Eintrag in den Abmeldeunterlagen der Kommunen, als Menschen jüdischen Glaubens aus Recklinghausen und anderen Städten des Vests von Januar bis August 1942 deportiert wurden.

Der brutale nationalsozialistische Vernichtungswille zielte auf die Eliminierung jeder Erinnerung an die Existenz jüdischen Lebens.

Der Vortrag erinnert an die betroffenen Familien, unsere Nachbarn von einst, und gibt den Opfern ein Gesicht.

Weitere Infos finden Sie bei unseren Terminen


Anne Frank war nicht allein…
Ein Abend mit Hanneke und Peter Schmitz

Hanneke Schmitz hat zusammen mit ihrem Mann die Geschichte ihrer jüdischen Familie erforscht. Familienmitglieder starben in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern. Verwandte tauchten in Holland unter, immer in Angst vor Entdeckung.

Meine Vorfahren wurden Opfer von Hass, geboren aus Dummheit, die eine Spirale von Ausgrenzung, Vertreibung, Verfolgung und Vernichtung auslöste.“ (Hanneke Schmitz)

In Zusammenarbeit mit Theater Gegendruck.

Musik: Marielen Laufenberg-Simmler.

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NACHLASS
Ein Film von Christoph Hübner und Gabriele Voss

Im Zentrum der Dokumentar-Filme NACHLASS und NACHLASS – PASSAGEN (2017) steht das Erbe der Nazizeit: Eine Begegnung mit Kindern und Enkeln der Täter- und Opfer-Generation sowie Gespräche mit Expert*innen zum Thema.

Im Anschluss an die Filmvorführung diskutieren Christoph Hübner und Gabriele Voss mit Schülerinnen und Schülern aus Recklinghäuser Schulen.

Im Anschluss an die Filmvorführung diskutieren Christoph Hübner und Gabriele Voss mit Schülerinnen und Schülern aus Recklinghäuser Schulen.

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Die juristische Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der Bundesrepublik Deutschland und der Auschwitz-Prozess

1. Frankfurter Auschwitz Prozess
Fotograf: Joachim Kügler, Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main

Der Frankfurter Auschwitzprozess, maßgeblich vorangetrieben durch den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, konfrontierte zwischen 1963 und 1965 die westdeutsche Öffentlichkeit konkret mit dem nationalsozialistischen Völkermord. – Welche Bedeutung hat das Frankfurter Schwurgerichtsverfahren aus heutiger Sicht? Wie ist die Justiz seit dem ersten Auschwitzprozess mit Strafverfahren wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen in Konzentrationslagern umgegangen?

Es diskutieren: Dirk Frenking, Richter am Oberlandesgericht in Hamm und Timm C. Richter, Historiker, Münster.

Moderation: Manfred Schmitz-Berg, Richter am Oberlandesgericht a.D., Einführung: Stephan Wilms, Justizakademie.

Moderation: Manfred Schmitz-Berg, Richter am Oberlandesgericht a.D., Einführung: Stephan Wilms, Justizakademie.

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„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!“
Ein Podiumsgespräch zu Rechtsentwicklung, Rechtsterrorismus und Rassismus heute.

Veranstaltung zum Auschwitz-Gedenktag am 27. Januar 2021 in Zusammenarbeit mit dem Theodor-Heuss-Gymnasium Recklinghausen

Antisemitische und rassistische Hetze im Internet, Hassmails, Geschichtsrevisionismus in Bundestagsreden …: Die Tabubrüche von Rechts sind vielfältig. Dabei inszenieren sich die rechten Täter als Opfer, denen das Recht auf freie Meinungsäußerung genommen wird.

Journalist*innen und Jurist*innen berichten von ihren Erfahrungen und diskutieren Handlungsstrategien.

Eine Veranstaltung anlässlich des Auschwitz-Gedenktags am 27. Januar 2021, den das THG ausrichten wird.

Moderation: Dr. Ansgar Kortenjann, Volkshochschule Recklinghausen.

Weitere Infos finden Sie bei unseren Terminen


Grußwort des Bürgermeisters

Das Theater Gegendruck ist als Teil unserer freien Kulturszene ein Ort, an dem über gesellschaftliches Miteinander nachgedacht wird. Ein friedliches Miteinander und die Wahrung der Demokratie sind dabei wichtige Themen.

Mit dem Projekt „Ermittlungen“, verbunden mit der Neuinszenierung des Theaterstücks „Die Ermittlung“ von Peter Weiss und Begleitveranstaltungen dazu, will das Theater auch ein Statement setzen gegen die furchtbaren rechtsextremen Gewalttaten, die 75 Jahre nach dem Ende der NS-Zeit unsere Gesellschaft erschüttern.

Bei dem Projekt geht es darum, wie Kunst und bürgerschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus wirken können.

Das Projekt wird von einem breit gefächerten Begleitprogramm in Zusammenarbeit mit der VHS, REspect4you und Mitgliedern des Recklinghäuser Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage begleitet und auch vom Land NRW gefördert.

Ich begrüße dieses Projekt ausdrücklich.

Ein Satz zum Schluss: Es finden wieder kulturelle Veranstaltungen statt. Sie sind so wichtig für unsere Stadtgesellschaft. Wir hoffen alle, dass das so bleibt, auch dank vorbeugender Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie. Passen Sie gut auf sich und Ihre Nächsten auf. Und: Bleiben Sie bitte gesund. 

Ihr

Christoph Tesche
Bürgermeister der Stadt Recklinghausen


Veranstalter
Theater Gegendruck e.V.
Dank an alle Unterstützerinnen und Unterstützer.

Gefördert durch: